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Aug 20

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Der Realismus des Dialogs – Teil 2

 

Im letzten Teil habe ich Euch kurz erklärt, warum der tägliche Dialog nicht fürs Schreiben taugt. Mein Tipp war nicht “Schreiben Sie realistischen Dialog!” sondern “Schreiben Sie Dialog, der realistisch KLINGT!”

 

Was heißt das praktisch?

 

Tipp 1 – Varianz und Wiederholung

Zunächst einmal, dass wir die ganzen Stoppwörter weglassen, dass wir die Sprache bereinigen und dass wir mehr Wortvarianz reinbringen, als in normalen Gesprächen zu finden ist. Dabei sollten wir aber beachten, dass die meisten Leute bei aller Eigenheit nicht in drei Sätzen nacheinander drei unterschiedliche Bezeichnungen für ein und dasselbe Ding benutzen.

In der Schule haben wir eingetrichtert gekriegt, dass wir Wiederholungen meiden sollen, weil das doof klingt. Ich selbst bin tief mit dieser Regel gezeichnet und vermeide in meinen Geschichten beinahe penibel und beinahe unbewusst, Bezeichnungen und Wörter zu wiederholen. (Außer ich nutze das zur Betonung, wie im letzten Satz das Wort “beinahe”.) Es graut mir, in jedem Satz den Namen der handelnden Figur zu wiederholen. Neben “Richard” und “er” schreibe ich vielleicht auch “der junge Mann”, “der Magier”, “ihr Freund”, “ihr Gegenüber”, etc. .

 

In Dialogen kann es realistisch wirken, Dinge zu wiederholen. Wenn wir mit jemandem über eine dritte Person sprechen, dann sagen wir einmal den Namen, damit alle wissen, um wen es geht (manchmal ist nicht einmal das notwendig), und dann wird nur noch “er” oder “sie” gesagt. Das können wir auch beim Schreiben tun, denn es weiß ja jeder, um wen es geht und niemand würde in einem Gespräch fünf Bezeichnungen für eine Person oder ein Ding durchgehen, nur um Varianz reinzubringen. Wenn uns das als Autor zu generisch wird, können wir hin und wieder noch einmal den Namen einstreuen. Das wirkt am besten, wenn sich die Aussage auf etwas bezieht, dass diese Person ausmacht. Z.B.: “Aber Katherine ist sehr unabhängig, ich will sie nicht zu irgendwas zwingen!”

 

Ist es uns trotzdem zu viel, können wir auch mal eine Bezeichnung für die Person einfließen lassen und damit arbeiten. Z.B.: statt “Katherine ist meine Freundin und ich lasse sie nicht hängen!” können wir auch schreiben: “Katherine ist meine Freundin und meine Freunde lasse ich nicht hängen!” Das hat den Vorteil, dass wir nebenbei auch etwas über die Einstellung und Werte des Sprechers und die Beziehung zwischen dem Sprecher und der anderen Person/dem Objekt etablieren.

 

 

Im nächsten Teil erzähle ich Euch etwas über Satzlänge.

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Der Realismus des Dialogs – Teil 1 (Einleitung)

Der Realismus des Dialogs – Teil 2 (Wortvarianz und -wiederholung)

Der Realismus des Dialogs – Teil 3 (Satzlänge)

Der Realismus des Dialogs – Teil 4 (Charakterisierung)

Der Realismus des Dialogs – Teil 5 (Andere Kunstformen) (Erscheint am 31.8.2012)

Der Realismus des Dialogs – Teil 6 (Visualisierung) (Erscheint am 03.09.2012)

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