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Aug 24

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Der Realismus des Dialogs – Teil 3

 

In diesem Teil geht es um Satzlänge und wie sie einen Dialog schnell und dynamisch gestalten können.

 

Rekapitulation:

Im ersten Teil habe ich kurz erklärt, warum der tägliche Dialog nicht fürs Schreiben taugt. Mein Tipp war, nicht “Schreiben Sie realistischen Dialog!” sondern “Schreiben Sie Dialog, der realistisch KLINGT!”

Im zweiten Teil bin ich kurz auf Varianz und Wiederholung von Bezeichnungen eingegangen und habe betont, dass ihr sie –wenn auch öfter als in echten Gesprächen– in Maßen nutzen solltet.

 

Jetzt zu Satzlänge und wie ihr sie einsetzen könnt.

 

 

Tipp 2 – Satzlänge

Ganz wichtig ist: Kurze Sätze schreiben.

Manche Menschen mögen gerne mal ohne Punkt und Komma reden (ich gehöre dazu ;)   ), aber im Dialog wirkt das unpassend. Es gibt genau eine Ausnahme: Wir wollen klar machen, dass unser Charakter aufgeregt, traumatisiert oder verrückt ist und deshalb babbelt er mehr, als dass er spricht. In diesem Fall sollten wir tatsächlich Punkte und Kommas weglassen, und am besten auch gleich einige Verben, Adjektive und Verbindungsworte unterschlagen. Ein Beispiel: “Das Auto war so schnell und ich wusste nicht… ich bin einfach gesprungen und ich konnte nicht sehen wer gefahren ist und ich habe Judy aus den Augen verloren. Es war so schrecklich!”

Aha, aber habt Ihr es gemerkt? Der Charakter redet zwar ohne Punkt und Komma, aber was er sagt, sind ganz viele kurze Sätze, die mit “und” verbunden sind. Dadurch entsteht ein Satzfluss, der dem Leser verdeutlicht, dass alles so schnell passiert ist, dass die einzelnen Ereignisse sich vor den Augen der Figur zu einem verschwommenen Chaos vermischt haben. Wie das eben bei solchen Paniksituationen ist. Es ist also nicht wirklich eine Ausnahme.

 

Der Hintergrund ist vor allem, dass kurze Sätze ein Gefühl der Schnelligkeit beim Leser hervorrufen. Dialog ist ein Gedankenaustausch, der dynamisch und schnell wirken soll.

Wenn jemand anfängt, irgendwas zu erklären, ist das ein Monolog. Ein Monolog kann in langen, ausgeführten Sätzen vonstattengehen.

Denn Monologe sind oft zur Überzeugung oder Erklärung gedacht und sollen vermitteln, dass der Sprecher sich Gedanken über diese Dinge gemacht hat. Er hat sich die Worte schon in seinem Kopf bereit gelegt oder spricht aus tiefer Überzeugung. Das sorgt für längere, besser formulierte Sätze mit „anspruchsvolleren“ Worten darin. Denn wenn ein Charakter etwas erklärt, muss er auch was davon verstehen.

Ihr könnt diesen Eindruck bei den Lesern hervorrufen, indem Ihr Eure Grammatik und Wortwahl anders wählt als im Dialog. Lasst eine Erklärung, die eine Figur bereits sehr oft gegeben hat, wie einen Lexikoneintrag klingen. Das vermittelt, dass die Worte bereits auswendig abgespult werden. Wenn ihr eurem Charakter Fachwissen andichten wollt, dann nutzt Fachworte. Das könnt ihr auf einer Skala von “kennt ein paar Worte, weiß aber nicht recht, wie er sie korrekt einsetzen kann” bist “kennt sich bestens aus und hat viele Fachausdrücke schon in seine normale Sprache übernommen” variieren.

 

 

Im nächsten Teil geht es um die Charakterisierung Eurer Figuren im Dialog!

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Der Realismus des Dialogs – Teil 1 (Einleitung)

Der Realismus des Dialogs – Teil 2 (Wortvarianz und -wiederholung)

Der Realismus des Dialogs – Teil 3 (Satzlänge)

Der Realismus des Dialogs – Teil 4 (Charakterisierung)

Der Realismus des Dialogs – Teil 5 (Andere Kunstformen) (Erscheint am 31.8.2012)

Der Realismus des Dialogs – Teil 6 (Visualisierung) (Erscheint am 03.09.2012)

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