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Jun 20

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Habt Ihr Lust auf ein kleines Quiz?

Da ich grade nicht dazu komme, meinen nächsten großen Artikel zu schreiben, dachte ich, ein kleines Quiz wäre doch das Richtige, um meinen treuen Lesern etwas Zeit zu vertreiben (Ihr seht, ich nehme einfach mal ganz selbstbewusst an, tatsächlich welche zu haben :D !)

Es ist ganz einfach: Ihr lest gleich die ersten paar Sätze eines Literaturklassikers und könnt erraten, um welches Buch es sich handelt. Wenn Ihr es wisst, dann schreibt es einfach in einem Kommentar.

Morgen Abend gebe ich die Lösung raus.

Ich werde auch alle eingehenden Kommentare erst morgen Abend genehmigen, damit jeder, der raten möchte, nicht durch die vorher gegangenen Kommentare beeinflusst wird ;) !

Ich gehe mal davon aus, dass Ihr nicht danach googelt, das wäre ja total langweilig für alle Beteiligten ;) .

 

Zum Anfang habe ich auch etwas ganz einfaches ausgesucht, sozusagen zum warm werden.

 

Original:

Call me Ishmael. Some years ago – never mind how long precisely – having little or no money in my purse, and nothing particular to interest me on shore, I thought I would sail about a little and see the watery part of the world. It is a way I have of driving off the spleen, and regulating the circulation. Whenever I find myself growing grim about the mouth; whenever it is a damp, drizzly November in my soul; whenever I find myself involuntarily pausing before coffin warehouses, and bringing up the rear of every funeral I meet; and especially whenever my hypos get such an upper hand of me, that it requires a strong moral principle to prevent me from deliberately stepping into the street, and methodically knocking people’s hats off – then, I account it high time to get to sea as soon as I can. This is my substitute for pistol and ball. With a philosophical flourish Cato throws himself upon his sword; I quietly take to the ship. There is nothing surprising in this. If they but knew it, almost all men in their degree, some time or other, cherish very nearly the same feelings towards the ocean with me.

 

Übersetzung (2001, Hanser, hrsg. Daniel Göske, Übertragung Matthias Jendis):

Nennt mich Ismael. Ein paar Jahre ist’s her – unwichtig, wie lang genau -, da hatte ich wenig bis gar kein Geld im Beutel, und an Land reizte mich nichts Besonderes, und so dacht ich mir, ich wollt ein wenig herumsegeln und mir den wässerigen Teil der Welt besehen. Das ist so meine Art, mir die Milzsucht zu vertreiben und den Kreislauf in Schwung zu bringen. Immer wenn ich merke, daß ich um den Mund herum grimmig werde; immer wenn in meiner Seele nasser, niesliger November herrscht; immer wenn ich merke, daß ich vor Sarglagern stehenbleibe und jedem Leichenzug hinterhertrotte, der mir begegnet; und besonders immer dann, wenn meine schwarze Galle so sehr überhandnimmt, daß nur starke moralische Grundsätze mich davon abhalten können, mit Vorsatz auf die Straße zu treten und den Leuten mit Bedacht die Hüte vom Kopf zu hauen – dann ist es höchste Zeit für mich, so bald ich kann auf See zu kommen. Das ist mein Ersatz für Pistole und Kugel. Mit einer stoischen Sentenz stürzt Cato sich in sein Schwert; ich gehe still an Bord. Daran ist nichts Überraschendes. Von Zeit zu Zeit hegen fast alle Menschen, ob sie’s wissen oder nicht, in etwa dieselben Gefühle für das Weltmeer wie ich.

 

:) Na? Wer weiß es und wer postet es zuerst? :)

 

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Natürlich ist dies der Anfang des Klassikers „Moby Dick“ von Herman Melville. Das Buch wurde 1851 zuerst in England veröffentlicht.

An was die meisten heute eher als ein Abenteuerbuch für Kinder und junge Erwachsene denken, richtete es sich ursprünglich mit seiner poetischen Sprache und seinen tiefen philosophischen Überlegungen an eine ganz andere Audienz. Mellville verbindet seine Story mit sehr detaillierten, gut recherchierten Fakten rund um den Wal und den Walfang, einen Erzählstil, der an einigen Stellen mit den modernen Stilen von Woolf oder Joyce zu vergleichen ist und philosophische, universelle Weltansichten und Überlegungen miteinander. Das war für viele seiner Fans anscheinend zu merkwürdig, sie waren anderes von Melville gewöhnt, welcher zu dieser Zeit bereits ein sehr erfolgreicher Autor war. Dazu kommt, dass das Buch mit etwa 500 Seiten recht umfangreich ist.

Das alles führte zu gemischten Bewertungen in seiner Zeit.

Formal hatte das Buch zudem einen großen Makel:

Während der erste Satz heute den Meisten bekannt ist, selbst wenn sie das Buch nie gelesen haben, hat vor allem das Ende damals den Großteil der Leserschaft schwer enttäuscht. Das lag daran, dass Ishmael, der Ich-Erzähler, das Buch nicht überlebte. Die Kritik war keine sentimentale, sondern eine formale: wie kann die Geschichte erzählt werden, wenn der Erzähler tot ist und sie nie festhalten konnte?

Melville änderte das Ende schließlich für die amerikanische Ausgabe. Das hat seinerzeit nicht viel an der Beliebtheit des Buchs ändern können. Mit „Moby Dick“ ging es abwärts für Melville und seine späteren Werke haben nur hartgesottene Fans gelesen.

 

Inzwischen ist „Moby Dick“ eines der absoluten Klassiker und Teil des amerikanischen Kanons.

Gewidmet hat Melville das Buch übrigens Nathaniel Hawthorne, dem Autor u.a. von „Der scharlachrote Buchstabe“, zu dem er eine tiefe Seelenverwandtschaft fühlte und dem er viel Inspiration zusprach.

 

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Ich hoffe, Ihr hattet Spaß mit dieser kleinen Übung, und macht auch beim nächsten Quiz wieder mit! :)

Nächstes Quiz

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6 Kommentare

  1. Anna-Leia

    Okay, ich bin etwas enttäuscht, dass ich noch keinen einzigen Kommentar bekommen habe. *schnüff*

    Ist aber nicht ganz unerwartet und daher verlängere ich das Quiz bis nächste Woche Mittwoch.

    Das ist der 27.06.2012, für alle, welche gerade keinen Kalender zur Hand haben ;) .

    Ich hoffe, es meldet sich noch jemand! :)

    Cya! Anna-Leia

  2. Katja

    Ich weiß, ich weiß! Moby Dick ist die Lösung. Dabei hab ich’s gar nicht gelesen, aber der erste Satz ist Kult!

    1. Anna-Leia

      RICHTIG!!! Damit bist Du die Gewinnerin dieses kleinen Gedankenspiels! Herzlichen Glückwunsch! :)

  3. Julian

    Hmm.. das erinnert mich doch stark an eine gewisse Geschichte über einen Wal ungewöhnlicher Farbe… mag er wohl weiß gewesen sein?
    Ich wage doch glatt mal zu behaupten das dieser Text der Anfang von “Moby Dick” ist :D

    1. Anna-Leia

      RICHTIG! Damit hast Du den zweiten Platz gewonnen! ;)

  4. Anna-Leia

    Katja und Julian, vielen Dank dafür, dass Ihr mitgemacht habt! Ich hoffe, Ihr hattet Spaß dabei und versucht es auch zur nächsten Woche wieder. Das würde mich wirklich sehr freuen! :)

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