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Jun 03

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Patrick Rothfuss oder wie man seine Leser nicht unterschätzt

Als ich vor zwei Monaten „Der Name des Windes“ bei Thalia online bestellte, war das ein glücklicher Zufall. Ich hatte noch eine Geschenkkarte, die drohte, ihren Wert zu verlieren und nachdem ich den vierten Teil von Cassandra Clares „City of…“-Reihe in den Warenkorb gelegt hatte, war noch Geld übrig. „Der Name des Windes“ lächelte mich aus den Empfehlungen an, grade im Angebot, und der Klappentext überzeugte mich. Ich bestellte das Buch und seinen Nachfolger, „A Wise Man’s Fear“.

Ich las den ersten Band, ohne von dem Tumult zu wissen, den dieses Buch bereits auf dem Büchermarkt der USA verursacht hatte. Es war ein Bestseller, der bereits mehrere Literaturpreise gewonnen hatte. Und man merkt, warum.

Es ist der beste Debütroman eines Autors, das ich seit langem gelesen habe. Und es ist ganz anders als der Durchschnitt! 

 

Natürlich habe ich mich sofort gefragt, warum. Was macht dieses Buch so anders und interessant? Wie fesselt es den Leser derart? Hier habe ich einige meiner Überlegungen für Euch zusammengeschrieben. Es ist keine komplette Analyse, denn dafür ist das Buch einfach zu reich und zu lang. Aber ich denke, es ist ein guter Anfang, um ein Gefühl für die Tiefe und den doppelten Boden dieses literarischen Meisterwerks zu bekommen :) . Enjoy!

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Was wir aus „The Name of the Wind“/“Der Name des Windes“, dem ersten Teil der „Kingkiller Chronicles“/“Königsmörder Chroniken“ lernen können

- Ich habe dieses Buch im englischsprachigen Original gelesen, alle Zitate sind daher von mir übersetzt und entsprechen vmtl. nicht genau dem Wortlaut der deutschen Ausgabe.-

 

 

Der Klappentext des Buches verspricht schon eine Menge:

I have stolen princesses back from sleeping barrow kings. I burned down the town of Trebon. I have spent the night with Felurian and left with both my sanity and my life. I was expelled from the University at a younger age than most people are allowed in. I tread paths by moonlight that others fear to speak of during day. I have talked to Gods, loved women, and written songs that make the minstrels weep.

My name is Kvothe. You may have heard of me.”

(„Ich stahl Prinzessinnen zurück von schlafenden Königen der Grabhügel.* Ich brannte die Stadt Trebon nieder. Ich verbrachte die Nacht mit Ferlurian und ging mit meinem Verstand und meinem Leben intakt. Ich wurde zu einem früheren Alter von der Universität verbannt, als andere angenommen werden. Ich begehe Pfade bei Mondlicht, vor denen andere sich bei Tag fürchten, über sie zu sprechen. Ich sprach mit Göttern, liebte Frauen und schrieb Lieder, die Sänger zum Weinen bringen.

Mein Name ist Kvothe. Vielleicht hast Du von mir gehört.“

*Das ist jetzt ein Übersetzungsversuch ohne Gewissheit, da die Phrase keinen klaren Sinn verrät. Vmtl. handelt es sich hier um eine Anspielung auf spätere Handlung, über die aber auch US-Leser noch rätseln.)

 

 

Ich werde jetzt keine genaue Zusammenfassung des Inhalts geben, denn zum einen finde ich, dass es wirklich ein ganz ganz tolles Buch ist, und ich empfehle jedem, die Zeit frei zu machen und es zu lesen! Das möchte ich natürlich niemandem vermiesen, indem ich jetzt zu viel verrate. Ich werde daher nur eine grobe Zusammenfassung geben und einige Punkte hervorheben, die für meine Überlegungen wichtig sind. Zum anderen möchte ich Euch auch nicht langweilen, wenn ihr es schon gelesen habt, und komme lieber gleich zum Punkt.

 

Das Buch erzählt uns, wie der Chronist (er wird immer nur „Chronicler“ genannt) Kvothe findet und ihn überredet, seine Geschichte zu erzählen, damit er sie aufschreiben kann. Kvothe besteht darauf, dass er drei Tage braucht, um seine Geschichte zu erzählen. Daher kommt die Aufteilung der Trilogie in Tag 1-3. „Der Name des Windes“ ist Tag 1 der Erzählung.

Kvothe hat seine Abenteuer hinter sich und nennt sich jetzt Kote. Er betreibt ein Gasthaus zusammen mit seinem Schüler/Freund/Kampfgefährten Bast (die Beziehung wird nicht klar erklärt und scheint mehr als das Schüler-Meister-Verhältnis zu sein, welches in den Gesprächen in den Vordergrund gestellt wird). Wir erfahren in den ersten Kapiteln, dass wir uns in einer mittelalterlichen Welt befinden, in der Krieg herrscht. Der Krieg behindert den Handel und bringt Deserteure mit sich, die einsame Wanderer auf offener Straße überfallen. Wir erfahren, dass es Magie gibt, die sich „Sympathie“ nennt und Dämonen, die sich uncharakteristisch in dem kleinen Dorf zeigen, in dem Kvothe sich niedergelassen hat.

Kvothes Lebensgeschichte beginnt zu malerisch, um erhalten zu bleiben. Seine Kindheit mit liebenden Eltern und einem chaotischen Lehrer endet jäh, als seine Zirkustruppe ermordet wird. Der aufgeweckte Schnelllerner findet sich als diebischer Waise am Rand von Hungertod und Gewalt in der großen Stadt Tarbean wieder. Drei Jahre braucht er, um aus seiner Trauer zu erwachen und sich zur Universität aufzumachen. Die Universität lehrt Sympathie und nimmt den hochtalentierten Jungen auf, obwohl er kein Geld hat. Er findet Freunde und Feinde und ist immer auf der Suche nach dem Namen des Windes und den Mördern seiner Eltern. Wir treffen eine Menge interessanter Charaktere, allen voran die selbstständige, mysteriöse Denna, die sich ständig anders nennt und von einem Männerarm zum nächsten driftet, um sich ihre Freiheit mit den Geschenken der Verliebten zu finanzieren. Natürlich funkt es zwischen den beiden, aber schlechtes Timing und verpasste Chancen halten sie auseinander.

Die Erzählung wird regelmäßig durch kleine Zwischenkapitel unterbrochen, welche den Leser an die andere Handlungsebene erinnern. Bast und der Chronist stellen Fragen, die dem Leser vielleicht auch schon gekommen sind. Außerdem deutet die zunehmende Action darauf hin, dass sich in diesem Handlungsstrang in den nächsten Büchern noch mehr tun wird und erfüllt mich mit Hoffnung, dass Kote wieder Kvothe wird und seinen Lebensmut wiederfindet.

 

Aber bleiben wir bei Band 1 ;)

Patrick Rothfuss hat eine ganze Menge Dinge total richtig gemacht.

  • Er hat eine wunderschöne, bildliche Sprache gewählt, die uns das Fantasy-Genre-Gefühl gibt, ohne staubig oder abgekupfert zu klingen.
  • Er liefert uns einen interessanten, pfiffigen Helden, dem wir gerne folgen und gibt uns durch die geringe Anzahl von Hauptpersonen und der klaren Unterteilung der Handlungsstränge genug Zeit, uns auf die Welt einzustellen, bevor er unseren literarischen Bekanntenkreis kontinuierlich erweitert.
  • Er liefert uns mit der Sympathie eine beinahe wissenschaftliche Form von Magie, und erfüllt dieses viel genutzte Konzept dadurch mit neuem, zeitgemäßem Leben.
  • Er nutzt die Möglichkeiten paralleler Handlungsstränge wunderbar aus. Evtl. werde ich darauf in einem späteren Artikel noch einmal vergleichend eingehen.

 

Worauf ich mich jetzt aber konzentrieren möchte, sind zwei Dinge, die ich als sehr schwierig einstufe und die ich besonders interessant finde. Das ist der Grad des Mitdenkens, den Patrick Rothfuss von uns erwartet und wie er ihn fördert, sowie die Problematik des Helden, und wie er sie löst.

 

Der Autor erwartet von uns, dass wir mitdenken. Er gibt uns keine Einführung in seine Welt, sondern wir müssen unsere Schlüsse aus dem ziehen, was vor unseren Augen passiert. Wir bekommen Beschreibungen von Situationen, die uns etwas über die Landschaft oder die politische Situation verraten. Wir bekommen Gespräche, die uns etwas über die Menschen verraten. Und wir bekommen Geschichten.

Geschichten sind ein sehr wichtiger Aspekt im Namen des Windes. Abgesehen davon, dass sich alles um Kvothes Geschichte dreht, verraten uns die kleinen Geschichten innerhalb seiner Geschichte viel über die Handlung. Wir bekommen Sagen und Legenden als Hintergrundwissen zum Glauben und der Kultur des Volkes, das uns präsentiert wird. Kvothes Eltern werden getötet, weil sie Geschichten sammeln um ein Lied zu schreiben. Geschichten enthalten mitunter gefährliches Wissen. Die größte Angst der Dämonen sind nicht Krieger oder körperlicher Angriff, sondern Barden und das Wissen um sie, das in den alten Geschichten lebt. Zugleich zeigt der Autor uns, wie Geschichten vergessen oder verfälscht werden können. Die Geschichten, die von anderen über Kvothe erzählt werden, haben nicht viel mit dem gemein, was Kvothe dem Chronist erzählt.

Wir werden also angehalten, uns auf eine Geschichte einzulassen, dessen Ausmaß wir am Anfang gar nicht einschätzen können. Wir wissen nicht, wie groß diese Welt ist, die wir betreten, woran die Menschen glauben, ob es noch andere Wesen gibt, was die Konflikte und Beziehungen, die Politik und Kultur sind. Patrick Rothfuss Genie ist es, uns die Informationen nebenbei zu liefern und unsere Neugierde auszunutzen. Er lädt uns zu einer spannenden Entdeckungsreise ein.

Ich liebe diese Anforderung. Es ist der Autor, der seinem Leser sagt: „Ich weiß, dass Du ein intelligenter Mensch bist, dem ich nicht alles vorkauen muss. Ich weiß, Du kommst von selbst dahinter und verbindest die Informationen, die ich Dir gebe, um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.“

Ich fühle mich geschmeichelt und wahrgenommen.

Und ich möchte jedem angehenden Autor raten, sich diese Lektion zu Herzen zu nehmen: UNTERSCHÄTZT EUREN LESER NICHT!

Leser merken es, wenn der Autor alles vorkaut und erklärt. Es gibt uns das Gefühl, bevormundet zu werden. Und wer will das schon?

Natürlich müsst ihr auch aufpassen, dass ihr nicht ZUWENIG verratet. Denn der Leser kennt die Welt in Eurem Kopf nur als das, was ihr ihm über die Schrift auf dem Papier mitteilt. Er weiß nicht, was ihr noch geplant habt und welche Geheimnisse Eure Charaktere noch beinhalten.

Ich habe festgestellt, dass ich mich immer leicht schizophren fühle, wenn ich zu lange darüber nachdenke, welcher meiner Charaktere was über wen weiß und wer mit wem in welcher Beziehung steht/stand/ stehen wird und was noch geschehen wird und wie das meine Charaktere beeinflusst. Ich denke, der Trick ist, erst zu schreiben, dann zu überarbeiten und dann eine Hand voll Testleser zu suchen, denen Ihr vertraut und die nicht alle denselben Standpunkt haben. Je verschiedener sie auf Euren Text blicken, desto mehr könnt ihr von ihnen lernen.

Es heißt, Ernest Hemingway habe erst geschrieben und dann bei der Überarbeitung alles weggestrichen, was er als überflüssig erachtete, um so seinen berühmten, schlichten Stil zu erreichen.

Ich denke, man muss heutzutage nicht unbedingt Hemingway lesen, aber ich empfehle Euch Patrick Rothfuss, um eine der wichtigsten Theorien der Literatur am Beispiel zu sehen: Zeigen, nicht sagen!

 

Kommen wir zu meinem zweiten großen Punkt, der Problematik des Helden.

Mit der Problematik des Helden spiele ich auf das ungeschriebenes Gesetz an, dass der Held eines Fantasyromans überlebt.

Sicherlich gibt es genug Beispiele für das Gegenteil, alles, was ich von Kai Meyer vor der Wellenläufer-Trilogie gelesen habe, hatte ein tragisches Ende. Seine Merle-Trilogie ist meiner Meinung nach ein wunderbares Beispiel für ein „Bittersüßes“ Ende. Die Welt ist gerettet, aber Merle muss sterben. Es ergibt sich absolut logisch und unumgänglich aus der Geschichte, Kai Meyer konnte es gar nicht anders enden lassen, ohne sein eigenes Konstrukt zu untergraben …aber dennoch habe ich 3 Bücher lang gehofft, dass es irgendwie doch noch ein Happy End gibt. (Als ich dann die Wellenläufer-Trilogie las und feststellte, dass diese ein Happy End hat und keiner stirbt, war ich absolut perplex und konnte es gar nicht glauben ;) !)

Als Liebhaber des Genres Fantasy bin ich auf positive Enden getrimmt. Ich möchte die Figuren, an die ich mich in hunderten von Seiten gewöhnt bis verliebt habe, glücklich in den Sonnenuntergang reiten sehen. Als Autor hätte ich ein ernsthaftes Problem damit, Figuren, in die ich unzählige Stunden Arbeit gesteckt habe, umzubringen.

Für mich ist der Prototyp eines Fantasyromans folgender: Wir sehen den Held in einem positiven Lebenszustand. Der positive Lebenszustand wird jäh unterbrochen (seine Eltern werden getötet, er entdeckt magische Fähigkeiten, er wird für irgendwas auserkoren). Der Held muss sich auf eine gefahrenvolle Reise begeben, um irgendetwas zu erreichen (Rache, einen Gegenstand, die Rettung der Welt). Der Held stellt sich vielen Gefahren und muss zahlreiche Prüfungen bestehen, um das Ende seiner Reise zu erreichen. Der Held findet dabei seine große Liebe (optional). Der Held ist im Grunde seines Wesens verändert und in irgendeiner Weise erfahrener, weiser oder verbessert. Der Held lebt glücklich bis ans Ende seiner Tage (oder bis zum Sequel ;D ).

 

Wenn man das oft genug gelesen hat, wird es langweilig. Aber trotzdem wird es irgendwie erwartet, weil es eben der grundlegende Prototyp ist. Wenn der Leser etwas vollkommen anderes wollte, würde er Science-Fiction oder Krimis oder Autobiographien lesen.

Deshalb versuchen Autoren immer neue Wege zu finden, um es interessanter für uns zu machen. Sie verändern den grundlegenden Handlungsverlauf, sie spielen damit und mit unseren Erwartungen, und nichts bewegt uns so sehr, wie ein wenig eingestreute Tragik oder Überraschung.

Patrick Rothfuss Variante ist deshalb besonders interessant, weil er uns das Ende bereits vorweg liefert. Als Leser erwarten wir, dass der Held überlebt, dass er älter und erfahrener wird. Er liefert uns einen Kote (ich werde der Einfachheit halber ab jetzt den älteren Kvothe als Wirt im ersten Handlungsstrang Kote nennen und den sich entwickelnden Charakter im zweiten Handlungsstrang Kvothe), der einen Schüler hat, der trotz all seiner Abenteuer und dem, was er von der Welt gesehen hat, in einem kleinen Gasthaus mitten im Nirgendwo sitzt und eines der ersten Dinge, die wir über ihn erfahren, noch vor seinem Namen, gleich auf der ersten Seite, ist, dass er auf den Tod wartet.

Dann erzählt er seine Geschichte und der Unterschied zwischen Kvothe, dem determinierten, respektlosen Jungen und den gebrochenen Kote lässt uns wundern, wie er von dort noch hier gekommen ist. Rothfuss gibt uns Hinweise auf die Erfahrungen, die Kote dazwischen gemacht hat:

In Kapitel 3 sehen wir Kotes Schwert, Basts Reaktion darauf lässt uns vermuten, dass es eine bedeutsame Geschichte hat. Im selben Kapitel sehen wir Kotes schnelles Denken und gute Schauspielkunst. In Kapitel 4 sehen wir in Ansätzen einen gegen Dämonen kämpfenden Kote. Durch das ganze Buch hinweg grenzt der Autor Kotes Wissen um die Welt von dem fehlerhaften Wissen der Dorfbewohner ab. In Kapitel 88 sehen wir, dass Kote seine Sympathie verloren hat. Und natürlich ist er irgendwann auf Bast getroffen. Auch ist nicht klar, wie alt Kote ist. Von Beginn des Buches an wird klar, dass er älter aussehen müsste, als er es tut. An einer Stelle wird von einem unwichtigen Nebencharakter erwähnt, dass dieser nahezu 30 Jahre zuvor unter der Herrschaft des alten Königs Soldat war. Wenn das der König wäre, den Kote umbrachte, und dieser König nicht noch lange Jahre lebte, nachdem der Nebencharakter seinen Dienst beendet hatte, dann müsste Kote um die 50 Jahre alt sein. So alt kann er aber nicht sein, da der Chronist einen Freund erwähnt, den auch Kvothe als kleiner Junge in Tarbean traf und der damals schon als alter Man beschrieben wurde. In einer mittelalterlichen Welt können wir davon ausgehen, dass Männer ab 40 oder 50 als alt gelten und nur selten über 70 werden.

Die Spannung für uns als Leser ist stärker als bei einer einfachen Entwicklungsgeschichte, weil wir das, was Kvothe ist und was ihm passiert mit der Figur Kote abgleichen können. Wir denken voraus und fragen uns, ob diese Feindschaft dort vielleicht zu seinem Unglück geführt hat und wenn ja, wie. Wo ist Denna? Was ist mit seinen Freunden? Wieso hat er einen König getötet? Hat er die Mörder seiner Eltern gefunden? Und was ist mit diesem Krieg, wo kam der her? Wer kämpft gegen wen? War der getötete König der Auslöser? Patrick Rothfuss unterstützt diesen Prozess, indem er Kote gelegentlich kurze Reflexionen oder Voraussagen äußern lässt. Wenn Kote sagt „Das hätte ich vielleicht nicht machen sollen, da hätte ich mir einiges an Ärger ersparen können.“, dann fragen wir uns natürlich „Welchen Ärger?“.

Jede Frage, die wir beantwortet kriegen, löst nur mehr Fragen aus. „Es ist alles meine Schuld“, sagt Kote in Kapitel 88, „Die Scrael, der Krieg. Alles meine Schuld.“

Und so fragen wir uns am Ende des Buches, ob wir im nächsten wohl erfahren, wer die Scrael sind und wie es alles seine Schuld sein kann. Wieso tötet er welchen König und löst er damit einen Krieg aus? Und *schwups* stehen wir im Buchladen und kaufen den nächsten Band.

 

Natürlich gibt uns der fortlaufende Zweite Handlungsstrang Hoffnung, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist. Die Welt ist nicht in Ordnung, also kann die Geschichte doch nicht zu Ende sein, oder? Schließlich sehen wir auch in diesem Handlungsstrang Entwicklung. Die Dämonen zeigen sich unerwartet, ein unwichtiger Nebencharakter stirbt, ein anderer wird ausgebaut.

Der Autor hält uns mit der Hoffnung, dass es doch noch ein Happy End gibt, bei der Stange.

 

Zusammenfassung:

Meiner Meinung nach können wir als Autoren eine Menge von Patrick Rothfuss lernen. Wir können von ihm lernen, wie man die Erwartungen der Leser ganz geschickt lenkt und ausnutzt. Wir können lernen, wie man das Prinzip Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte optimal einsetzt. Wir können auch von seiner wunderbaren bildlichen Sprache und seiner Charakterzeichnung lernen. Wir können einen neuen Weg lernen, die Problematik unserer Helden zu umgehen.

Und selbst, wenn wir keine eigenen Geschichten verfassen wollen, so können wir von ihm lernen, aufmerksamere Leser zu sein. Patrick Rothfuss verbindet so vieles in seinem Debütroman, dass wir ihn zwei oder drei oder vier Mal lesen können, und immer noch etwas finden, was uns bis dahin entgangen ist.

 

 

 

 

 

 

 

 


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2 Kommentare

1 Ping

  1. Lea

    Liebe Anna-Leia, dieser Artikel hat bei mir einen Nerv getroffen. Dass Lesen nicht nur als Bedienung, sondern auch als Herausforderung und dass man diese Herausforderung als Kompliment an den Leser verstehen darf, scheint in letzter Zeit etwas unterzugehen …
    Danke!
    Viele Grüße,
    Lea

    1. Anna-Leia

      Liebe Lea, ich danke Dir für diesen lieben Kommentar!
      Es ist wunderbar zu hören, dass es Leser gibt, die mir zustimmen. Mir scheint es inzwischen viel zu viele zu geben, denen es vollkommen ausreicht, Literatur herunter zu schlingen wie die sprichwörtlichen warmen Semmel.
      Gerade erst habe ich diesen Artikel von Jane Friedman gelesen, in dem sie die Herstellung von Büchern, welche auf genau diese Einstellung abzielen als “Commodity Publishing” bezeichnet:http://janefriedman.com/2013/01/08/self-publishing-future-of-fiction/ , sehr spannend! Auch Dan Blank geht in Writer unboxed indirekt darauf ein, indem er die Frage stellt, ob ein Autor sich überhaupt “nur noch” auf das Schreiben an sich konzentrieren kann: http://writerunboxed.com/2013/01/25/should-writers-just-write/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+WriterUnboxed+%28Writer+Unboxed%29. Ich finde es interessant darüber nachzudenken, inwieweit ein Autor Qualität vs. Quantität produzieren sollte und inwieweit auch die anderen Notwendigkeiten der Umsetzung und Vermarktung die Zeit des Autors in Beschlag nehmen.

      Was meinst Du dazu? :)

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