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Jul 27

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Was ist Dein großes Thema?

„Eine überzeugende Vision kann die Bündelung des Ideenpotentials und die Freisetzung zielgerichteter Energien bewirken.“
Herbert Henzler (*1941), dt. Unternehmensberater

 

Jedes Buch hat ein großes Thema, mit dem es sich beschäftigt. Der Herr der Ringe beschäftigt sich mit Gnade und Anstand und darum, niemals aufzugeben, auch wenn alles verloren scheint. Frankenstein beschäftigt sich mit den Konsequenzen, die ein Rückzug aus der Gemeinschaft hat und welche Verpflichtungen ein Erschaffer dem Erschaffenen gegenüber hat. König Lear zeigt, welche Konsequenzen es haben kann, wenn man verlangt Liebe in rechnerische Größen einzufangen.

Die großen Themen sind das, was nicht explizit erwähnt wird. Sie sind ein Gedankengang des Autors. Sie sind das Ding, das er aufhebt und in seinen Händen hin und her dreht, um es von allen Seiten zu sehen und zu verstehen.

Während “Mainstream”-Literatur sich mit solchen Themen gerne eher im kleinen Rahmen befasst (z.B. Was der Verlust eines Menschen für Folgen in seiner unmittelbaren Umgebung hat), genießen Fantasy und Science-Fiction die Freiheit, solche großen Themen ganz ungeniert in seiner Ganzheit zu betrachten. Schließlich bieten keine anderen Genres die Möglichkeit, so offen über Themen zu sprechen, ohne sie direkt zu benennen. Ein tolles Beispiel ist hier Octavia Butlers Kurzgeschichte “Bloodchild”, die sich augenscheinlich mit insektenartigen Aliens und Menschen beschäftigt, aber eine sehr eindringliche und intelligente Behandlung von Sklaverei ist, wenn man genauer hinschaut. Sie ist nicht sehr lang und ich empfehle Euch wirklich, sie mal zu lesen!

 

Mein Punkt ist dieser:

Als Leser schaut mal genauer hin, womit sich der Autor wirklich beschäftigt, was er wirklich vermitteln will. Und wie er das tut. Es kann ein ganz neues Licht auf die Bücher werfen, die ihr mögt und es ist immer ein guter Weg, sich wirklich mit ihnen auseinander zu setzen.

Als Autor solltet Ihr Euch bewusst machen, was Euch wirklich beschäftigt. Was wollt Ihr wirklich sagen? Erst, wenn Ihr wirklich versteht, was Eure grundlegende Aussage ist, könnt Ihr sie effektvoll in die darüber liegenden Schichten Eurer Handlung einbringen. Eure Grundaussage ist wie der Estrich, Eure Geschichte ist die Fliesen. Ihr könnt keine Fliesen legen, ohne Estrich darunter zu haben. Eure Vorstellungen von der Welt und Eure Überzeugungen sind ein grundlegender Teil von Euch und sie werden immer in Eure Geschichten mit einfließen. Wenn Ihr genau wisst, was sie sind, könnt ihr besser damit umgehen, sie ausbauen, sie zu einem integralen Teil Eures Schreibens machen.

 

Ich selbst habe erst wirklich verstanden, worüber ich schreibe, nachdem ich mein erstes Buch bereits fast fertig habe und schon eine sehr umfangreiches Story-Konstrukt für 15 weitere Bücher in derselben Reihe ausgeplant habe. Eines Morgens bin ich einfach aufgewacht und mir wurde klar, dass alles, was ich schreibe im Endeffekt auf Familie, Verlust und Vertrauen zurückzuführen ist. Ich frage “Was gibt es für Familien? Wie funktionieren verschiedene Familienarten? Wie entfremden wir uns von Familie? Wie schaffen wir neue Familien?” und “Was ist Verlust? Wie wirkt sich Verlust auf Familien aus? Wie werden wir mit Verlust fertig? Wie füllen wir das Loch, das Verlust in unserem Leben hinterlassen hat?” und “Wieso vertrauen wir anderen? Was ist Vertrauen? Wie schaffen wir Vertrauen? Was geschieht, wenn Vertrauen gebrochen wird?”

Meine Antwort: “Familie ist das, was wir daraus machen. Familie ist eine Gruppe, der wir vertrauen und die uns hilft, Verlust zu überwinden. Familie sind die, für die wir alles riskieren. Familie zeigt uns, wer wir wirklich sind und akzeptiert uns.”

 

Kennt Ihr Eure Fragen? Was sind Eure Antworten?

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